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Vogelhaus; Nistkasten und Vogelfutter
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Was bedeutet Ganzjahresfütterung eigentlich, woher kommt dieser Trend und bringt ein Vogelhaus im Garten heimischen Vögeln überhaupt etwas?
Der zunehmende Rückgang der traditionellen Landwirtschaft steht in direktem Zusammenhang mit der Abnahme des heimischen Vogelbestands. Die landwirtschaftliche Nutzung großer Flächen und Vernichtung von einheimischen Wildblumen und Kräutern lassen große Einschnitte im Nahrungsangebot der Vögel entstehen. 35% von ehemals 110 Brutvogelarten sind ganz verschwunden oder brüten nur noch unregelmäßig, weitere 20% nehmen in ihrem Bestand ab und lediglich 10% zeigen ein Wachstum in ihrer Populationsrate [1]. Fehlende Nistmöglichkeiten, Vernichtung der Lebensräume durch Urbanisierung und vor allem schwindende Nahrungsgrundlagen sind Gründe für die Verluste in der Vogelpopulation. Betroffene Arten sind unter anderem Haus- und Feldsperling, Star, Feldlerche, Rauchschwalbe und die Kohlmeise. Eine Maßnahme zum Abfangen des Singvogelsterbens ist die von Ornithologen empfohlene angepasste Ganzjahresfütterung.
Die Ganzjahresfütterung sieht vor das nicht nur bei geschlossener Schneedecke und Frost, sondern auch bei milden Temperaturen gefüttert wird.
Um Energie zu sparen unternehmen Vögel im Winter kaum weite Entdeckungsflüge und finden so viele neue Vogelfutterhäuser gar nicht. Steht das Vogelhaus also schon im Sommer oder Herbst und wird gut geführt, können sich die Vögel schon rechtzeitig an ihre neue Vogelfutterstelle gewöhnen. Selbiges gilt für Nistkästen. Die Höhlenbrütenden Vogelarten suchen bereits im Herbst Schutz vor Nässe und Kälte im Nistkasten. Bis zum Frühjahr haben sich die Zaunkönige und Königinnen dann an die neuen Brutplätze gewöhnt und können in aller Ruhe loslegen. Für Insektenfresser wie Dompfaff, Amsel, Zaunkönig oder Feldlerche ist eine ganzjährige Fütterung besonders hilfreich, denn diese finden schon bei Temperaturen um null Grad kein Futter mehr und freuen sich über ein gut gefülltes Vogelhaus [2]. Aber auch für alle anderen Vogelarten, die unter der Verknappung des Nahrungsangebots leiden eignet sich die Ganzjahresfütterung. Selbst bei eisigen Temperaturen versuchen Vögel, in der Natur vorkommendes Futter zu finden, somit kann eine Abhängigkeit von einer Futterstelle ausgeschlossen werden. Eine Vogelfutterstelle bewahrt die Vögel aber vor dem verhungern und kann dazu führen das sie im Sommer noch einmal brüten. Was sich wiederrum sehr positiv auf die Bestände auswirkt.
Ganzjahresfütterung heißt aber nicht, einfach ganzjährig Wintervogelfutter anzubieten. Sonnenblumenkerne und Meisenknödel sind sehr fettreich und nur zwischen Oktober und April sinnvoll. In den wärmeren Jahreszeiten muss das Futter an die Bedürfnisse von Weichfressern und Jungvögeln angepasst werden. Vogelhäuser oder Futterautomaten gefüllt mit Gartenvogelfutter bestehend aus Beeren, Sämereien, Sojaöl, Getreideflocken oder getrockneten Insekten ist ideal für die Sommerfütterung. Hanfsamen, naturreine Fette und Kleinsämerein eignen sich als Nahrungsergänzung für alle Körner- oder Weichfresser und insbesondere während der Jungenaufzucht. Auch das richtige Vogelhaus spielt eine große Rolle.
Vogelhäuser gibt es in allen Formen und Farben und aus allerhand Materialien. Ob für Fensterbank, Balkon oder den großzügigen Garten, das Richtige Vogelhäuschen findet sich für jeden. Hierbei gilt es allerdings zu beachten, das die Vogelfutterhäuser und Nistkästen aus hochwertigen Materialien bestehen. Solide Materialien wie Lärchen-, Birken-, oder Kiefernholz sind wetterfest und eignen sich gut.
Farblich sind der Gestaltung keine Grenzen gesetzt, Vögel werden ein Vogelhaus nicht verschmähen weil ihnen die Farbe nicht gefällt. Auf die Qualität des Anstrichs muss aber geachtet werden. Denn ein Vogelhaus ist ein Ort der Nahrungsaufnahme und darf nicht schädlich für die Vögel sein. Die Grundierung muss Umweltfreundlich sein, aber gleichzeitig vor Blaufäule und Schimmel schützen.
Zum idealen Vogelhaus gehört auch der geeignete Platz. Der Vogelhaus Standort sollte gut einsehbar und für Katzen schwer erreichbar sein. Dann können die Vögel in Ruhe futtern und werden nicht selbst zum Futter. Mit einem Vogelhaus vor der Tür kann man nicht nur den Fortbestand heimischer Vögel unterstützen sondern erlebt auch Naturkunde live. Ein gut geführtes Vogelhaus wird gern weiter empfohlen. Was im Winter Unterschlupf bietet, ist im Sommer Schattenspender und so wird ganzjährig reges Treiben am Vogelhaus herrschen. Viele Vögel im Garten bedeuten gleichzeitig wenige Insekten. Ein Kohlmeisen Paar mit Jungen verzehrt beispielsweise bis zu 3 kg Insekten pro Jahr. Das sind circa 3 Millionen Mücken! [3] Ein gutes Vogelhaus am rechten Fleck, ist also alles andere als für die Katz.
In England wird seit 1970/71 die Vogelfütterung vom British Trust for Ornithology untersucht und
in einem "Garden Bird Watch Programme" überwacht [4]. Diese Studien konnten weit verbreitete Vorbehalte gegen die Ganzjahresfütterung widerlegen.
Ganzjähriges Füttern der Vögel führt nicht zu einer Abhängigkeit und auch die natürliche Selektion wird nicht beeinflusst. Denn natürliche Selektion ist menschengemacht. Industrielle Landwirtschaft entzieht Vögeln die Nahrungsgrundlage und angelegte Futterstellen werden nur bei Bedarf aufgesucht. Auch die Kontroverse das sich nur dominante Vogelarten am Vogelhaus durchsetzen und den Kleinen alles weg futtern kann geklärt werden, in den Studien wurden über 150 verschiedene Arten an einer Futterstelle beobachtet. Die Ganzjahresfütterung unterstützt also nicht nur Artenerhalt sondern auch Artenvielfalt. Auch die große Sorge dass das falsche gefüttert werden kann und somit die Jungen gefährdet werden kann ein wenig genommen werden. Das Zusatzfutter im Vogelhaus oder in Form von Meisenknödeln hilft so manchen Jungen auf die Beine und rettet Vogelleben.
Wer die kleinen Zaungäste artgerecht füttert kann nichts falsch machen. Wer auch darauf achtet das die Vögelchen ein sauberes, sicheres und dekoratives Vogelhaus benutzen dürfen, schützt unsere Natur und sorgt gleichzeitig für ein lebendiges, artenreiches Gartenambiente.
Einzelnachweise
[1] Peter Berthold, Gabriele Mohr: Vögel füttern - aber richtig. Anlocken, schützen, sicher bestimmen. Kosmos, Stuttgart 2006
[2] www.tierbetreuungs-blog.de
[3] www.wilnest.eu
[4] www.bto.org
